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An den regionalen Einzelhandel: Kommt aus dem Quark!

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Der regionale Einzelhandel fühlt sich allerorten bedroht durch das Internet. Buchhändler sehen sich dem Giganten Amazon gegenüber, bei dem die Kunden zu jeder Zeit Lesestoff für den eigenen Bedarf und als Geschenk kaufen können. Das kann der Bildungsbürger bequem von der Couch aus tun, nachdem er gerade im Feuilleton der „Zeit“ eine Buchempfehlung gelesen hat. Das Geschenk für die geliebte Schwiegermutter hat man da fix in der Mittagspause bestellt: “Zack, das wäre auch erledigt!”

Zu viele Einzelhändler strecken da die Waffen: „Gegen diese Internetkonzerne haben wir ohnehin keine Chance.“ Dabei bietet Ihnen doch gerade die angebliche Gefahr Internet auch große Möglichkeiten! Schauen wir uns das ruhig einmal für die Buchhändler an. Vor den Zeiten des Internet war der Stadtteilbuchhändler der Hauptversorger der lesenden Bevölkerung. Er musste sich allenfalls mit den großen Buchtempeln der Innenstädte messen. Jetzt, in Zeiten des Internet, sind die vielen Onlinebuchhändler, allen voran Amazon, als unliebsame Konkurrenz hinzugekommen.

Mit dem Internet sind aber auch die Chancen für kreative Ideen gestiegen. So lässt sich mit einem eigenen Online-Shop das Einzugsgebiet vergrößern. Das macht sicherlich eher in einer Nische Sinn. Denn den großen Bedarf deckt da ja wirklich Amazon. Vielleicht hat der Chef der Stadtteilbuchhandlung einen Sinn für Mangas. In so einer Nische kann man mit dem entsprechenden Know-how auch neben Amazon bestehen. Die Comics verkauft man dann eben gerade nicht mehr nur in Blankenese unter der Ladentheke, sondern weltweit. Der Händler kann von Amazon profitieren, indem er neue und gebrauchte Bücher über eine Amazon-Anbindung verkauft. Der Verkauf des ausgelesenen Stoffs kann als willkommener Service für die eigene Stammkundschaft angeboten werden. Ein neues Buch gegen fünf alte, die Abwrackprämie im Buchhandel.

Wesentlich interessanter finde ich aber die Möglichkeiten, die Amazon gerade nicht hat: Persönliche Beratung durch Menschen aus Fleisch und Blut, mit denen man sich von Angesicht zu Angesicht unterhalten kann. Die man über das gemeinsame Hobby kennenlernen kann. Mit denen man, vielleicht bei einem Espresso, über Bücher diskutieren und streiten kann.

Und nehmen wir noch einmal den Fall des Lesers des „Zeit“-Feuilletons auf: Er hat von zwei interessanten Büchern gelesen, die er jetzt aus Bequemlichkeit bei Amazon bestellt. Aber wer behauptet eigentlich, dass ein solcher Einkauf bei Amazon bereits den Gipfel der Bequemlichkeit darstellt? Ich behaupte, dass der regionale Einzelhandel diesen Feuilleton-Leser als Kunden zurückgewinnen kann mit einem besseren und schnelleren Service als Amazon.

Der regionale Buchhändler kann schneller sein als Amazon! Er kann die rezensierten Bücher vorrätig halten. Er kann eine Online-Bestellmöglichkeit anbieten und eine telefonische. Er kann dem Kunden die bestellten Bücher innerhalb der nächsten 90 Minuten liefern. Er kann dafür mit Pizzalieferanten zusammenarbeiten, oder mit Schülern, die ohnehin Medikamente für Apotheken ausliefern. Er kann sicherstellen, dass der Kunde die Lieferung auch tatsächlich persönlich erhält und zwar ohne sich mit einer Lieferkarte der Post in die Riesenschlange am Paketschalter einreihen zu müssen. Er kann bei der Geschenkverpackung individueller und persönlicher sein als der Großkonzern. Er kann dafür mit dem Blumenladen von nebenan zusammenarbeiten, der neben dem Buchgeschenk einen Strauß ausliefert. Also, an den regionalen Einzelhandel: Zieht den Stock aus dem Arsch, werdet kreativ, sucht Euch einen Programmierer für Internetanwendungen (hint, hint), jetzt wird angegast. Ich freue mich darauf.

Geschrieben von janprill

26. Juli 2009 um 22:05

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