Auswanderersendungen
Wenn Conny Reimann in breiter Hamburger Zunge von der Freiheit in Texas schwärmt, während der Rückstoß eines Magnum Colts seinen freien Oberkörper durchschüttelt ist wieder Traumzeit für Auswanderer. Auswanderersendungen sind aus den Trashkanälen des deutschen Fernsehens nicht mehr wegzudenken. Muss das toll sein in Texas, dem Staat, in dem einst der Schwerverbrecher George W. Bush Gouverneur war. Da ist man total frei, bis auf vielleicht die paar Menschen in den Todeszellen. Da hat mein sein Schicksal selber in der Hand, bis auf vielleicht die 14% Kinder, die dort ohne Krankenversicherung aufwachsen. Aber, ich gebe es zu: Ich bin ein Fan von Auswanderersendungen.
Mich interessiert es halt brennend, wie andere Menschen ihr Lebensglück suchen. Dabei sehe ich darüber hinweg, wie heftig gefaked die Shows sind. Mit welcher Schadenfreude die Verlierer unter den Auswanderern portraitiert werden. Warum schaue ich es mir trotzdem an? Wahrscheinlich weil in mir auch immer mal der Wunsch nach Flucht aus dem Hamburger Regensommer aufkeimt. Weil ich manchmal selbst davon geträumt habe, mein Glück in der Ferne zu versuchen. Und tatsächlich gelingt es ja auch einigen, es im Ausland mit interessanten Geschäftsideen zu etwas zu bringen, was sie sich – aus welchem Grund auch immer – in Deutschland nicht getraut haben. Ich finde es ganz beruhigend, dass die Bürokratie in anderen Ländern ähnlich erbarmungslos zuschlägt und appelliere deswegen an alle Auswanderungswilligen: Zieht für Eure Geschäftsidee doch auch die Flucht in die Selbständigkeit in Deutschland in Erwägung! Zuhause ist es doch am schönsten und wenigstens lauft Ihr nicht Gefahr, Euch in einer Auswanderersendung zum Gespött zu machen. Ach nee, das wirkt nicht; diese fünf Minuten Ruhm sind ja der eigentliche Grund für die, die da mitmachen.
[...] sind die Momente in denen die Auswanderer-Sendungen auf Vox und RTL 2 an Charme gewinnen. Und in diesem Tal der Entnervten klingt dann auch eines der [...]
Flucht in die Selbständigkeit « then you win
25. Juli 2009 um 21:02